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Splitterleben

Splitterleben ist ein Young Adult Roman über die siebzehnjährige Mia, deren Leben sich plötzlich radikal verändert – sie muss lernen, mit einer Krankheit klarzukommen, von der sie bisher nicht einmal gewusst hat, dass es sie gibt.

Klappentext:

“Wenn ich mich an einen speziellen Moment erinnern soll, in dem mein bisheriges Leben einen Riss bekam und die ersten Splitter meine Wahrnehmung streiften, dann war es wohl der Abend, an dem ich nieste und hoffte, es wäre nichts Schlimmes.
Doch irgendetwas in mir wusste es bereits: dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.”
                                            —— Mia, 17

Die Welt der siebzehnjährigen Mia scheint zu zersplittern, als sie kurz nach einem Sportwettkampf erfährt, dass sie unter einer unheilbaren Krankheit leidet. Von einem Moment auf den anderen scheinen ihre jungen Träume unerreichbar; die so hart erkämpfte Sportlerkarriere, das Wunschstudium und auch ihre erste große Liebe rücken in weite Ferne. Doch während sie sich Tag für Tag erneut dem Kampf gegen ihren eigenen Körper stellt, erkennt sie, was wirklich zählt im Leben: jeden schönen Moment zu genießen und aus den vorhandenen Splittern etwas neues zusammenzusetzen.

Habt ihr Lust auf die Story bekommen? Dann könnt ihr hier den Prolog lesen. Zum Weiterblättern einfach auf die Punkte unter dem Text klicken 🙂

Prolog

Tag 44
meines zersplitterten Lebens

Kennst du das, wenn die Welt sich nicht mehr dreht und wenn sie
Kennst du das, wenn sie einfach plötzlich steht und wenn sie
Kennst du das und du läufst und läufst und läufst und kommst nicht an

Aus Mias Playlist:
LEA – Kennst du das

Wenn man nicht weiß, was einen erwarten wird, wenn man das nächste Mal wieder zu sich kommt, dann geht einem so einiges durch den Kopf; bei mir fühlt es sich ein bisschen an wie ein Abschied von meinem alten Leben.
Ein kleiner Tod, den ich nicht zu sterben bereit bin.
Noch nicht.

Ich wünschte, ich würde wenigstens einen verfluchten Film vor meinem inneren Auge ablaufen sehen, der mich ablenkt; so, wie es in todtraurigen Szenen aus Hollywood der Fall ist. Schöne, beruhigende Erinnerungen, die mir zeigen, wie toll mein Leben war. Egal, was passieren wird, diese Erinnerungen könnte mir niemand nehmen.
Doch sie kommen nicht.
Alles, woran ich denke, ist die Angst.
Denn ich bin siebzehn, nicht siebzig und ich habe bisher kaum Erinnerungen gesammelt, die jetzt durch meine Gedanken ziehen könnten, um mich von der Furcht vor dem Wegdämmern und der noch größeren Panik vor dem Ergebnis der Untersuchungen abzulenken, das mich nach dem Aufwachen erwarten wird.
Ich habe eine verfluchte Angst vor dem, was passieren wird. Davor, dass sie mir das Beruhigungsmittel geben, von dem man so dösig wird, dass man kaum noch etwas mitbekommt, während einen die Pfleger von der Station in den Untersuchungssaal schieben. Dahin, wo die Ärzte meinen Körper verletzen werden, einen Körper, den noch kein Mann dieser Welt berührt hat. Ich habe Angst vor den scharfen Instrumenten,
mit denen sie winzige Teile aus meiner Lunge und meiner
Niere entfernen werden, um sie zu untersuchen. Damit sie
herauszufinden können, wie kaputt meine Organe sind und ob sich ihr Verdacht bestätigt.

Ich hoffe so sehr, dass es nicht so ist.
Denn dann müsste ich noch mehr Angst vor meinem Körper haben; ein Körper, der mir in den vergangenen Wochen gezeigt hat, dass er keine Lust auf mich hat und dem es zuzutrauen wäre, dass er mich völlig im Stich ließe. Vielleicht denkt er sich: ›Hey, das ist meine Chance, mich zu verziehen. Let’s go, ich bin weg! Feiert eure lahme Party ohne mich!‹
Aber ich will nicht, dass er mich und meine Zukunft
zerstört. Ich will meine Ruhe vor all diesen Splittern haben, in die mein Leben zerbrochen ist und die sich nicht mehr
zusammensetzen lassen werden, wenn die Ärzte wirklich recht haben. Wenn da eine Krankheit in mir tobt, die mich zerstört.
Ich will kämpfen, so wie ich es immer tue. Und ich will noch viel erleben; will wieder Sport machen können, mein Abi hinkriegen und endlich einen Jungen küssen.
Ich denke an Tobi, den ich jahrelang angehimmelt habe. An seine kurzen braunen Haare, die beim Lauftraining vom Schweiß durchtränkt sind, und an die beeindruckende Geschwindigkeit, mit der er seine Bahnen im Stadion zieht. Ich bin immer da gewesen, um ihn anzufeuern oder bei der Wettkampfvorbereitung seine Zeit zu messen. Ich war sein persönlicher Cheerleader, seine kleine Assistentin, die nur seinetwegen zum Laufsport gekommen ist. Um ihm aufzufallen. Wir sind so ein gutes Team.
Aber wo ist er jetzt?

Die Einsamkeit trifft mich mit voller Wucht. Wie leicht wäre es, sich ihr zu ergeben, zu weinen, sich in Hoffnungslosigkeit und der Angst vor der Zukunft zu verlieren? Sich zu wünschen, dass alles vorbei ist?
Doch das kann ich nicht.
Ich will mein altes Leben zurück.
Ich will, dass sich bei der Untersuchung herausstellt, dass alles nur ein furchtbares Missverständnis war und die Splitter wieder ein normales Ganzes ergeben. Ohne Risse. Ohne Narben, die bleiben.
Meine naive Hoffnung darauf hält mich davon ab, aus dem Bett zu springen und nach Hause zu rennen, natürlich nicht annähernd so schnell und mühelos, wie ich es früher gekonnt hätte.
Das Krankenhaushemd klebt kalt an meinen verschwitzten Beinen, mit denen ich vor wenigen Wochen noch so zielstrebig über die Tartanbahn gerannt bin. Ich habe drei Jahre lang hart trainiert und bin endlich kurz davor, auf internationaler Ebene mithalten zu können. Ich könnte die Deutsche Meisterschaft gewinnen – und wer weiß, vielleicht auch mehr. Ich lebe für den Sport. Morgens vor der Schule eine Runde laufen, dann in die Klasse und lernen. Nachmittags ins Fitnessstudio, um das Krafttraining zu absolvieren, und abends Techniktraining mit Jan, meinem Trainer.

Ich habe meine Teeniezeit dem Laufen gewidmet und ich habe es geliebt, doch in diesem Moment bereue ich es und ich hasse mich dafür. Ich hätte vielleicht auf Partys gehen, mich zum ersten Mal betrinken oder mit den Jungs aus meiner Klasse herummachen sollen. Ich hätte laufen sollen, um zu leben, und nicht leben, um zu laufen.
Ich spüre den kalten Stoff des Hemdes unangenehm auf der empfindlichen Haut meiner Oberarme. Ein unnachgiebiger Druck lastet auf meiner Brust und ich ringe nach Luft. Selbst der kleinste Atemzug strengt mich an. Ich ziehe so viel Luft ein, dass ich das Gefühl habe, meine Lunge würde platzen, doch gleichzeitig kommt so wenig in ihr an, dass ich fürchte, zu ersticken.
Bitte, flehe ich in Gedanken Gott, meinen Körper oder wen auch immer es interessiert an, mach, dass sich ihr Verdacht nicht bestätigt. Mach, dass mein Körper sich nicht blutrünstig auf meine Organe stürzt, um sie eins nach dem anderen zu zerstören.
Aber ich fürchte, dass dieses Flehen vergebens ist.
Ich spüre den tobenden Kampf in mir.
Im nächsten Moment steckt einer der Pfleger seinen Kopf zur Tür herein und lächelt mich aufmunternd an. Es ist sein Job, optimistisch auszusehen, doch ich weiß genau, dass er denkt, dass ich eine arme Socke bin. Siebzehn Jahre alt und der Körper ist ein einziges kraftloses Trauerspiel.

Sein Lächeln macht mich nur noch ängstlicher und ich versuche, mich schwerer in mein Bett zu drücken, in der Hoffnung, ich könnte vollends darin versinken und auf der anderen Seite der Erde herausfallen.
Ich will das alles nicht.
Ich hätte niemals, niemals gedacht, dass mir so etwas einmal passieren würde. Ich habe geglaubt, dass mich nichts stoppen könnte.
Und nun ist es vielleicht mein eigener Körper, der mich aufhält.
Der Pfleger kommt näher und macht Anstalten, die Bremse meines Bettes zu lösen. Er setzt den hellbraunen Plüschwolf, neben dem ich seit dem Wettkampf-Nachmittag auf dem Rummel vor fünf Monaten jeden Abend eingeschlafen bin, neben mich auf das Kissen und macht ein Gesicht, als könnten wir zu dritt die Welt erobern.
»Na, Mia, bist du bereit?«
»Nein«, antworte ich wahrheitsgemäß.
»Keine Sorge, das wird schon. Du bist doch eine Kämpferin!«
Ich lächele traurig. Ganz sicher war ich noch niemals in meinem Leben so
wenig eine Kämpferin wie in diesem Moment.


Produktinformation

  • Taschenbuch: 278 Seiten
  • Erscheinungstermin: 11. März 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 154233778X
  • ISBN-13: 978-1542337786
  • Größe: 14 x 1,8 x 21,6 cm

 

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