Autorenblog

Selfpublisher – Mädchen für alles?

Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann sage ich, dass ich Autorin bin. Ich liebe es zu schreiben und lasse mich von den Geschichten in meinem Kopf treiben und in immer wieder neue Situationen schleudern. Das ist meine Welt, das möchte ich gerne mein Leben lang machen.
Als Selfpublisher ist das Schreiben jedoch der kleinste Part des “Jobs”. Man ist eben nicht nur Autorin, sondern hat noch einen ganzen Haufen anderer Aufgaben, die manchmal dazu führen, dass das Schreiben hinten anstehen muss. Ich dachte mir, dass euch vielleicht interessiert, was eigentlich alles dazu gehört, wenn man sein Buch selbst veröffentlichen möchte und habe euch mal die Jobs aufgelistet, die man entweder selbst erfüllen muss oder für die man sich Unterstützung besorgen muss; bei Verlagsautoren werden diese Aufgaben (bis auf die des Autors natürlich ;-)) von geschulten Mitarbeitern übernommen.

Autor

Dieser Job ist ganz klar: Erstmal muss die Idee für eine Geschichte her, der Plot muss erarbeitet werden und dann wird Kapitel um Kapitel geschrieben. Nach dem Wort “Ende” wird noch einmal alles durchgelesen und überarbeitet. Die Arbeit eines Verlagsautoren ist an dieser Stelle weitestgehend erledigt – für einen Independent Publisher geht sie jedoch erst richtig los!

Lektor / Korrektor

Nun kommt der Lektor ins Spiel, der das Buch auf Sinnfehler, Rechtschreibfehler und sonstige Ungereimtheiten checkt. Der Lektor macht Anmerkungen, bittet gegebenfalls um Neuformulierungen oder andere Blickwinkel und sorgt dafür, dass die Geschichte “rund” wird. Als Self-Publisher kann man den Lektoratsteil nur zu einem gewissen Punkt selbst erfüllen, denn irgendwann wird man “betriebsblind” und sieht seine eigenen Fehler nicht mehr. Da ich mehrere Jahre selbst in einem Verlag gearbeitet habe, weiß ich, worauf es ankommt und übernehme den Großteil der Arbeit selbst – dennoch habe auch ich Leute, die mir Anmerkungen geben und natürlich eine professionelle Lektorin. Das Überarbeiten des Buches ist oft ermüdend, weil man es eventuell immer und immer wieder durchgehen muss – aber gleichzeitig ist es unerlässlich für ein gutes Ergebnis und jede Stunde Arbeit wert!

Grafiker

Ein Vorteil des Independent-Publisher-Status ist es, dass man völlig frei ist in der Covergestaltung. Man kann das Cover nach seinen eigenen Wünschen gestalten – entweder man tut dies selbst oder man engagiert einen Grafiker dafür. Ich bastle das Cover meist vor und lasse dann die Feinheiten von jemandem machen, der es besser kann 😉

Erste Layouts kann man übrigens auch mit Hilfe von Stockphotos in entsprechenden Bildbearbeitungsprogrammen erstellen. Einige Selfpublishing-Anbieter bieten auch kostenlose Cover-Creator an (hier darf man jedoch nichts tolles erwarten ^^) und es gibt bei fast allen auch einen kostenpflichtigen Cover-Service.

Layouter

Satz und Layout kann zu einem nervenaufreibenden Thema werden! Man benötigt ein Layoutprogramm und muss dann darauf achten, dass die Absätze richtig gesetzt sind, dass die Zeichentrennung sinnvoll ist und alles hübsch aussieht. Auch hier kommt mir meine Erfahrung im Verlag zugute, denn ich weiß, worauf ich achten muss und wie ich mit verschiedenen Programmen arbeiten kann. Aber auch ich bin schon an meine Grenzen gestoßen, wenn es um verschiedene Formatierungen für Print und eBook ging und die Frage, wieso die Absätze im eBook auf einem Samsung Handy anders angezeigt werden als auf dem Kindle … 😉 Getreu dem Motto “Irgendwas ist immer” gibt es bei jedem Projekt eigentlich immer wieder neue Herausforderungen. Glücklicherweise findet man im Internet aber bei Dr. Google jede Menge Anleitungen und Hilfestellungen, und auch bei den diversen Selfpublishing-Anbietern gibt es meistens Hilfeforen, in denen man um Rat bitten kann.
Wie auch bei der Covererstellung kann man auch beim Layout einen entsprechenden Service beim Selfpublishing-Anbieter in Anspruch nehmen oder einen professionellen Layouter engagieren, der sich gegen Bezahlung für einen mit dem Kram herumschlägt 😉

Vertriebsmitarbeiter

Ist das Buch fertig, beginnt die Arbeit erst so richtig; man muss einen passenden Distributionsweg finden (übersetzt: Wie gelangt das Buch an den Leser? Internetshops, Geschäft, Webseite, Social Media, Hinterhof? ^^ ). Man spricht mit Buchhändlern und verschickt das Buch zusätzlich zum Onlinehandel vielleicht auch selbst – man richtet also eine kleine Versandabteilung bei sich zuhause ein, wo man zum Packer wird (ich habe schon unzählige Abende und Wochenenden inmitten von Büchern, Geschenkpapier, Versandtaschen und Goodies verbracht – viel Arbeit, aber es macht Spaß).

Natürlich ist der direkte Versand über den Autor ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand, aber ich persönlich finde es einfach schön, meine Bücher auf diese Weise ganz direkt zu meinen Lesern zu bringen. Es ist toll zu wissen, wer das Buch liest und dass man demjenigen mit ein paar Goodies auch noch eine größere Freude macht, als wenn er das Buch zB bei Amazon bestellt hätte, wo es ja doch recht nüchtern in einem braunen Pappumschlag ankommt 😉

Marketingassistent

Ein Buch ohne Marketing ist ein Buch – aber sicher kein erfolgreiches. Ich wage zu behaupten, dass selbst das beste Buch ohne Marketing floppen würde, dagegen das schlechteste Buch mit hervorragendem Marketing zum Bestseller werden kann. Verlage haben ganze Abteilungen, die sich nur damit beschäftigen, auf welche Art und Weise sie das Buch ins beste Licht rücken und Aufmerksamkeit dafür gewinnen können. Es werden Pressemitteilungen aufgesetzt, Pressetexte geschrieben, Aktionen und Goodies geplant und produziert.

Als Selfpublisher hat man es vor allem im Hinblick auf finanzielle aber auch technische Möglichkeiten schwer; man muss für Werbung sein Erspartes ausgeben, Rezensionsexemplare lassen sich in der Regel nicht in die knapp bemessenen Margen des Buchverkaufs einrechnen, und man muss aufpassen, dass man mit seinen Ausgaben nicht ins Minus rutscht. Postkarten, Flyer, Lesezeichen, sämtliche Goodies – all das muss erstmal vorfinanziert werden und wenn das Buch floppt, bleibt man auf den Sachen sitzen und / oder hat sein Geld verbrannt. Was also tun? Denn tatsächlich hat ein Selfpublisher eigentlich nur eine Chance im Buchmarkt, wenn er sich voll ins Marketing stürzt, um neben den erfolgreichen Verlagsautoren überhaupt aufzufallen. Dafür haben die meisten aber natürlich nicht die finanziellen Mittel, denn das Schreiben ist oft ja “nur ein Hobby”. Zu dem eigentlichen Job des Marketingassistenten, den man als Selfpublisher ausfüllen muss, kommt also wie ihr seht auch ein kleines bisschen Risikomanagement 😉
Auch hier bin ich dankbar, dass ich jahrelang im Marketing gearbeitet habe und ein umfangreiches Wissen in diesem Bereich habe. Denn, wie gesagt: Das Marketing ist eigentlich das Wichtigste (wie bei jedem anderen Produkt auch)! Und diese Aufgabe kann man als Indie-Autor – meiner persönlichen Meinung nach – auch nicht wirklich auslagern, denn als Selfpublisher trägt man eben auch nach dem Beenden des Mannuskripts Verantwortung für sein Buch und ist für das Scheitern oder den Erfolg maßgeblich verantwortlich. Man möchte einfach sein Bestes geben, um es bekannter zu machen. Ein Fremder (den man ja auch noch dafür bezahlen müsste) bringt niemals den gleichen Elan mit – er “brennt” einfach nicht so dafür und kann/ wird es in den meisten Fällen nicht mit der gleichen Leidenschaft, Ehrlichkeit und Beharrlichkeit bewerben, wie es der Autor tun würde.

Webdesigner

Als Autor braucht man eine Webseite. Wie oben bereits erwähnt, hat man als Selfpublisher dafür in der Regel kein Budget und so fuchst man sich selbst in das Thema Webdesign hinein; so auch bei mir. Mittlerweile braucht man ja eigentlich wirklich nicht sooo viel Know-How, um sich eine passable Homepage zusammenzuzimmern. Bei WordPress gibt es kostenlose Templates, und wer es etwas “hübscher” mag, der kann sich für 30-50 Euro ein Wunsch-Template kaufen. Am Anfang ist es etwas mühsam, aber mit Hilfe der Templates und diversen Plug-Ins kann man ohne Programmierkenntnisse extrem viele Funktionen und Tools einbauen, für die man vor zehn Jahren noch einen Informatik-Studiengang hätte belegen müssen 😉 Wer partout keine Lust hat sich damit zu befassen, kann diese Aufgabe auch an einen fachkundigen Bekannten oder im Zweifelsfall einen Dienstleister auslagern.

Social Media Manager

Facebook, Instagram, Blogs und vielleicht sogar Snapchat – während Autoren früher die “unbekannten” Wesen waren, die sich selten vor Menschenengen getraut haben und alleine in ihrem Kämmerlein geschrieben haben, ohne dass jemand ihr Gesicht kannte, muss man heute (vor allem) als Indie-Autor online sein. Diese Aufgabe macht neben dem Schreiben und der Covererstellung für mich am meisten Spaß, allerdings muss man aufpassen, dass man sich nicht zwischen Instagram-Posts verliert und das Schreiben vergisst 😉 Was andere (so auch ich in meiner beruflichen Vergangenheit) sorgsam planen, sollte auch ein Autor auf dem Schirm haben: regelmäßig posten, Nachrichten beantworten, die Leser am Leben teilhaben lassen. Das ist aber nicht immer so einfach; vor allem in aktuten Schreibphasen oder kurz vor einer Buchveröffentlichung wird es auf meinen Social Media Kanälen meist sehr ruhig. Wenn ihr euch also irgendwann mal fragt, weshalb längere Zeit nichts oder nur wenig von mir zu hören war, dann wisst ihr wieso 😉

So, ich hoffe, euch hat der kleine Einblick gefallen 😉 Habt ihr vielleicht weitere Fragen rund ums Autorenleben?

 

 

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